Fasnacht kann für manche Menschen Leichtigkeit bedeuten – für andere jedoch Stress, Überforderung und Rückzug. Dieser Beitrag erklärt, warum Masken, Lärm und Menschenmengen das Nervensystem aktivieren können, wie alte Schutzmuster dabei eine Rolle spielen und wie EMDR helfen kann, wieder mehr innere Sicherheit und Wahlfreiheit zu erleben.
Masken, Lärm und das Nervensystem – und warum Rückzug kein Versagen ist
Für manche ist Fasnacht pure Leichtigkeit. Ausgelassen sein. Lachen. Tanzen. Teil von etwas Grossem sein. Für andere ist sie das Gegenteil. Zu laut. Zu eng. Zu viel.
Vielleicht kennst du das auch:
- innere Unruhe,
- Enge im Körper,
- Reizüberflutung,
- den starken Impuls, dich zurückzuziehen oder zu fliehen.
Und vielleicht kennst du auch die Gedanken, die dann kommen: «Ich sollte mich nicht so anstellen.» «Andere haben doch auch Spass.» «Was stimmt nicht mit mir?»
Hier ist die wichtigste Botschaft gleich zu Beginn: Das ist kein persönliches Versagen. Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche.
Fasnacht aus Sicht des Nervensystems
Aus Sicht des Nervensystems ist Fasnacht eine Extremsituation.
Was dort zusammenkommt, ist für viele Systeme maximale Unsicherheit:
- Lärm,
- Menschenmengen,
- Nähe ohne Kontrolle,
- unvorhersehbare Bewegungen,
- Masken, hinter denen Gesichter nicht lesbar sind.
Unser Nervensystem stellt in jeder Sekunde eine einzige Frage: Bin ich sicher – oder nicht?
Masken machen Mimik unlesbar. Reaktionen werden schwer einschätzbar. Kontrolle geht verloren. Für ein Nervensystem, das in der Vergangenheit lernen musste, besonders wachsam zu sein, fühlt sich das bedrohlich an – selbst dann, wenn objektiv keine Gefahr besteht. Der Körper reagiert schneller als der Verstand. Nicht, weil du übertreibst. Sondern weil dein System dich schützen will.
Wenn der Körper sich erinnert – ohne Geschichte
Viele Menschen sagen: «Ich weiss gar nicht, warum mich das so stresst.»Und genau das ist oft der Punkt.
Nicht jede Stressreaktion hat eine bewusste, erzählbare Geschichte. Manche Reaktionen entstehen vor der Sprache. Sie sind im Körper gespeichert. Der Körper erinnert sich:
- an Überforderung,
- an Ohnmacht,
- an Situationen, in denen Nähe nicht sicher war,
- an Momente, in denen man ausgeliefert war.
Fasnacht kann genau diese Ebenen berühren – ohne dass wir sie logisch erklären können.
Masken – sichtbar an Fasnacht, unsichtbar im Alltag
In der Fasnachtszeit tragen wir Masken ganz offiziell. Bunt. Laut. Sichtbar. Und doch tragen viele von uns Masken schon lange davor – und weit über diese Tage hinaus. Masken wie:
- die Starke,
- die Angepasste,
- die Funktionierende,
- die, die nichts braucht.
Nicht, weil wir unehrlich sind. Sondern weil unser Nervensystem gelernt hat: So bin ich sicherer. So gehöre ich dazu. So werde ich nicht verletzt.
Aus traumasensibler Sicht sind Masken oft Überlebensstrategien. Sie entstehen in Momenten, in denen wir zu jung, zu abhängig oder zu allein waren, um ganz wir selbst zu sein. Die Maske war klug. Sie hat uns geholfen.
Das Problem ist nicht die Maske
Das Problem ist nicht, dass du eine Maske hast. Das Problem ist, wenn du sie nicht mehr ablegen kannst. Wenn Funktionieren zur einzigen Option wird. Wenn Rückzug die einzige Regulation ist. Wenn dein Körper ständig in Alarm bleibt – auch dann, wenn heute eigentlich Sicherheit da wäre. Dann fühlt sich selbst ein Fest wie Fasnacht nicht nach Freude an, sondern nach Überforderung.
Wahlfreiheit statt Anpassung dank EMDR
EMDR setzt genau hier an. Nicht im Kopf. Nicht über Erklärungen. Sondern im Nervensystem.
EMDR hilft, die ursprünglichen Erfahrungen zu verarbeiten, aus denen diese Schutzreaktionen entstanden sind. Nicht, um etwas «wegzumachen». Sondern um das System zu entlasten. Wenn alte Stress- und Angstmuster verarbeitet werden, verändert sich etwas Entscheidendes: Du bekommst Wahlmöglichkeiten zurück.
Du kannst dann wählen:
- wann du dich schützt,
- wann du dich zeigst,
- wann du gehst,
- und wann du bleibst.
Nicht aus Zwang. Nicht aus Angst. Sondern aus innerer Stabilität.
Du musst Fasnacht nicht mögen
Und das ist wichtig zu sagen: Du darfst Fasnacht meiden.Du darfst dich zurückziehen. Du darfst deinen Körper ernst nehmen. Du darfst sagen: Das ist mir zu viel.
Und gleichzeitig darfst du neugierig werden: Was in mir möchte gerade geschützt werden? Welche alten Muster melden sich? Wo war mein System früher allein?
Diese Fragen sind kein Muss. Sondern eine Einladung.
Wenn Schutz nicht mehr alles bestimmen muss
EMDR macht dich nicht «fasnachtstauglich». Es macht dich selbstverbundener. Es hilft deinem Nervensystem zu unterscheiden: Damals war es zu viel. Heute bin ich grösser. Heute habe ich mehr Möglichkeiten.
Und vielleicht fühlt sich Fasnacht dann irgendwann neutraler an. Oder du kannst für einen Moment dabei sein – und rechtzeitig gehen. Oder du entscheidest dich bewusst dagegen, ohne Schuldgefühl.
All das ist Regulation.
Wer wärst du ohne Maske?
Vielleicht ist die tiefste Frage dieser Zeit also nicht: «Gehe ich an die Fasnacht – oder nicht?»Sondern: Wer wärst du, wenn du nichts mehr verstecken müsstest?
Wenn dein Nervensystem sich sicher genug fühlt, um nicht ständig zu schützen. Wenn Masken wieder Optionen sind – nicht Notwendigkeiten. Das ist kein schneller Weg. Aber ein sehr ehrlicher. Und du musst ihn nicht allein gehen. 🤍
Wenn du merkst, dass Fasnacht – oder ähnliche Situationen – in dir mehr auslösen, als du erklären kannst, dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Hinweis deines Nervensystems, dass etwas geschützt werden möchte.
Wenn du neugierig bist, diesen Signalen achtsam zu begegnen und dir mehr innere Sicherheit und Wahlfreiheit wünschst, begleite ich dich gern ein Stück auf deinem Weg. 🤍
Wenn du magst, schau dir gerne meine Coaching- und EMDR-Begleitungen an und finde heraus, welche Form der Begleitung zu dir passt. Oder vereinbare direkt ein kostenloses, unverbindliches Kennenlerngespräch – ich freue mich auf dich.
Alles Liebe, Mareike
