Wenn du schon alles «richtig» machst und trotzdem nachts wach liegst

Kein Bildschirm mehr vor dem Schlafengehen. Feste Zubettgehzeiten. Kein Koffein nach 14 Uhr. Vielleicht sogar ein Schlaf-Tracker am Handgelenk, der jede Nacht genau protokolliert, wie unruhig du geschlafen hast. «Sleepmaxxing» nennt sich der aktuelle Trend, bei dem Schlaf bis ins letzte Detail optimiert wird. Und trotzdem: Du liegst nachts wach, dein Kopf dreht sich im Kreis, oder du wachst mitten in der Nacht auf und findest lange keine Ruhe mehr.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du damit nicht allein. Und es bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst.

Der Trend: Schlaf wird zum Optimierungsprojekt

Kaum ein Gesundheitsthema wird gerade so intensiv diskutiert wie Schlaf. Schlafhygiene, Schlaf-Tracking, Einschlafrituale, spezielle Matratzen, Magnesium, Ohrstöpsel mit eingebautem weissen Rauschen. Die Grundidee dahinter ist nachvollziehbar: Schlaf ist zentral für unsere Gesundheit, und es lohnt sich, ihm mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Viele dieser Empfehlungen sind auch wirklich sinnvoll. Ein fester Rhythmus, weniger Bildschirmlicht am Abend, ein kühles Schlafzimmer: All das kann helfen, dass sich dein Körper leichter auf die Nacht einstellen kann. Das Problem entsteht dort, wo diese Massnahmen an ihre Grenzen stossen und trotzdem als einzige Lösung angepriesen werden.

Wenn Schlafhygiene an ihre Grenzen stösst

Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Menschen, die längst alles «richtig» machen. Sie haben ihre Abendroutine optimiert, auf Koffein verzichtet, sich sogar einen teuren Schlaf-Tracker zugelegt. Und trotzdem liegen sie nachts wach oder schrecken auf, ohne zu wissen, warum.

Das liegt daran, dass Schlafhygiene an der Oberfläche ansetzt: an den äusseren Bedingungen für guten Schlaf. Sie geht aber nicht der Frage nach, warum dein Nervensystem nachts überhaupt nicht zur Ruhe findet. Wenn dein Körper gelernt hat, wachsam zu sein, weil das früher einmal notwendig war, dann hilft die schönste Abendroutine nur bedingt. Dein System bleibt trotzdem in einer Art Bereitschaft, selbst wenn objektiv gerade nichts Bedrohliches passiert.

Genau hier liegt eine wichtige Verbindung zu dem, was ich in meinem Artikel über Nervensystem-Regulation beschrieben habe: Techniken können im Moment beruhigen, verändern aber nicht automatisch die eigentliche Ursache der Anspannung. Beim Schlaf zeigt sich das besonders deutlich, weil die Nacht der Moment ist, in dem wir uns am meisten fallen lassen müssten. Und genau das fällt schwer, wenn ein Teil von dir nie ganz auf «sicher» schaltet.

Die Verbindung zu Erschöpfung und Burnout

Schlafstörungen tauchen häufig nicht isoliert auf. Oft stehen sie in engem Zusammenhang mit dem, was ich in meinem Artikel über Burnout beschrieben habe: einem inneren Anspruch, ständig funktionieren zu müssen. Wer sich tagsüber keine Pausen erlaubt, wessen System permanent auf Leistung geschaltet ist, dessen Nervensystem tut sich abends schwer, plötzlich herunterzufahren. Der Körper kennt diesen Wechsel schlicht nicht mehr richtig.

So entsteht oft ein Kreislauf: Wer schlecht schläft, ist tagsüber erschöpfter. Wer erschöpfter ist, funktioniert eher im Autopilot statt wirklich in Kontakt mit sich selbst zu sein. Und wer den ganzen Tag im Autopilot verbringt, hat abends ein System, das nicht weiss, wie es abschalten soll. Schlafstörungen sind deshalb häufig nicht die eigentliche Ursache, sondern eher ein Symptom eines Nervensystems, das über den Tag hinweg keine echte Erholung findet.

Woran du merken kannst, dass mehr dahinterstecken könnte

Nicht jede unruhige Nacht braucht eine tiefere Erklärung. Manchmal reicht wirklich eine bessere Abendroutine. Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen, wenn:

Wenn du dich in mehreren dieser Punkte wiedererkennst, könnte es sein, dass dein Nervensystem nachts eine alte Wachsamkeit reaktiviert, die ursprünglich einmal einen Sinn hatte.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine Klientin von mir kam mit genau diesem Thema zu mir: Sie hatte grosse Mühe einzuschlafen, sobald sie abends allein war, aus einer diffusen Angst heraus, dass jemand im Haus sein könnte. Auf den ersten Blick liess sich das mit einer belastenden Zeit nach der Trennung ihrer Eltern in Verbindung bringen, in der sie als Kind oft bei ihrer Mutter schlief. In der EMDR-Arbeit zeigte sich jedoch, dass der eigentliche Ursprung noch früher lag: in den ersten Lebenstagen, als sie aufgrund einer Erkrankung von ihrer Mutter getrennt und über mehrere Wochen im Spital war. Erst als dieses sehr frühe Erlebnis verarbeitet war, konnte sie wieder ruhig allein schlafen, ganz ohne zusätzliche Einschlafrituale.

Dieses Beispiel zeigt gut, warum Schlafprobleme manchmal so hartnäckig sind: Die eigentliche Ursache liegt oft an einer Stelle, die man selbst nie mit dem Thema Schlaf in Verbindung gebracht hätte.

Was das für dich bedeuten kann

Schlafhygiene bleibt wichtig, und ich möchte dir diese Massnahmen nicht ausreden. Ein ruhiges Umfeld, feste Zeiten, weniger Bildschirmlicht: All das unterstützt deinen Körper dabei, sich auf die Nacht einzustellen. Es ist der Eimer, der im Moment hilft, wie ich es auch im Artikel über Nervensystem-Regulation beschrieben habe.

Wenn deine Unruhe nachts aber tiefer sitzt, wenn Techniken zwar kurzfristig helfen, das Grundproblem aber bleibt, dann lohnt sich ein Blick auf das, was darunterliegt. Nicht, um in der Vergangenheit zu verweilen, sondern damit dein System heute wieder lernen kann, sich sicher genug zu fühlen, um wirklich loszulassen.

Wenn du spürst, dass genau das bei dir gerade fehlt, begleite ich dich gerne dabei, herauszufinden, was wirklich hinter deiner inneren Unruhe steckt. Mehr zu meiner 1:1-Begleitung mit EMDR-Coaching findest du auf meiner Angebotsseite.

Im kostenlosen, unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, ob EMDR-Coaching der richtige Weg für dich ist.

Alles Liebe,
Mareike